Halb fertige Brücke mit Bürokratie-Absperrung als Sinnbild für staatliche Daseinsvorsorge

Die größten Fiat-Mythen (Teil 5): Infrastruktur, Bildung und Daseinsvorsorge

Michael WolfMichael Wolf·

„Aber die Straßen! Die Schulen! Wer baut die denn ohne Staat?“ – kaum eine Frage kommt in Debatten so verlässlich wie diese. Sie klingt nach einem Trumpf, ist aber eher eine ungeprüfte Annahme. Teil 5 der Serie Die größten Fiat-Mythen nimmt fünf dieser vermeintlichen Selbstverständlichkeiten auseinander – so nüchtern wie möglich. Zum Start der Reihe geht es hier.

Mythos 21: Ohne Staat gäbe es keine Infrastruktur

These: Die Frage ist nicht, ob Infrastruktur entsteht, sondern woran sie sich ausrichtet.

Vieles, was wir für urstaatlich halten, war historisch privat oder genossenschaftlich organisiert: Straßen bauten oft Anlieger und Händler, um ihre Güter zu bewegen; Schulen waren lange kirchlich oder privat; auch heute gibt es private Kliniken, Privatschulen und Mautstraßen. Der internationale Luftverkehr wird von privaten Fluggesellschaften im Wettbewerb betrieben, nicht von einem Weltverkehrsamt.

Der Vergleich mit Japan ist lehrreich: Die dortigen Bahngesellschaften wurden privatisiert und gelten als bemerkenswert pünktlich und wirtschaftlich – während die staatsnahe Deutsche Bahn mit Verspätungen kämpft. Das beweist nicht, dass privat immer besser ist. Aber es zeigt: Die entscheidende Frage ist nicht „Staat oder gar nichts“, sondern ob sich die Infrastruktur am Kunden ausrichten muss oder am Bürokraten.

Mythos 22: Bildung muss kostenlos und staatlich sein

These: „Kostenlos“ gibt es nicht – und wer die Schule bezahlt, bestimmt den Lehrplan.

Zuerst das Offensichtliche: „Kostenlose“ Bildung ist nicht kostenlos, sie ist steuerfinanziert. Jemand zahlt immer – nur eben nicht direkt beim Nutzen, sondern vorher über Abgaben. Das ist kein Detail, denn es verschleiert, was Bildung tatsächlich kostet und wie gut das Geld eingesetzt wird.

Wichtiger ist der zweite Punkt: Wer Bildung finanziert und organisiert, bestimmt auch Lehrpläne, Schwerpunkte und die Erzählung, in der Geschichte und Gesellschaft vermittelt werden. Das ist nicht per se böse – aber es ist Macht über das, was eine ganze Generation für selbstverständlich hält. Ein vielfältigeres Bildungsangebot, in dem Eltern und Schüler wählen könnten, würde diese Deutungsmacht verteilen, statt sie zu zentralisieren. „Kostenlos“ sollte man daher immer mitlesen als „von allen bezahlt und von einer Stelle bestimmt“.

Mythos 23: Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht

These: Es gibt keine „Rechte“, die vom Himmel fallen – weder auf Gesundheit noch, streng genommen, auf Eigentum. Es gibt nur, was Menschen halten und einander freiwillig zugestehen.

Zuerst der praktische Punkt: Ein „Recht auf Gesundheit“ bedeutet konkret einen Anspruch auf die Arbeit anderer – auf die Zeit und die Ressourcen von Ärzten, Pflegern, Steuerzahlern. Wer ein „Recht auf X“ ausruft, verpflichtet damit immer irgendjemanden, seine Lebenszeit herzugeben. Das klingt edel, ist aber ein Anspruch gegen andere Menschen, kein harmloser Wunsch.

Max Stirner geht radikaler heran – und mit ihm gehen wir hier den ganzen Weg: Es gibt überhaupt keine „Rechte“. Kein Recht auf Gesundheit, kein Menschenrecht und – das ist der unbequeme Teil – auch kein Naturrecht auf Eigentum. „Recht“ ist ein Spuk: eine fixe Idee, die man erfindet und dann anbetet, als käme sie von Gott, der Natur oder der Vernunft. Nichts davon fällt vom Himmel. Real ist etwas Schlichteres: Was ich in meiner Macht habe und zu behaupten weiß, das ist mein. Eigentum ist kein metaphysischer Anspruch, den das Universum garantiert, sondern das, was ich halte – und was andere aus eigenem Interesse respektieren, weil Kooperation sich mehr lohnt als Raub.

Das klingt zunächst ernüchternd, ist aber die stärkere Grundlage. Ein „Recht“, das nur auf dem Papier steht, schützt niemanden – ein Kranker wird nicht gesünder, weil in einer Charta „Recht auf Gesundheit“ steht. Was Menschen tatsächlich hilft, ist kein Spuk, sondern reale, freiwillige Ordnung: Versicherungen, Hilfsvereine auf Gegenseitigkeit, Verträge, Familie, Wohltätigkeit – Arrangements, die halten, weil sie den Beteiligten nützen. Man muss Gesundheitsversorgung also gar nicht zum „Recht“ verklären, um sie zu organisieren; man kann sich frei zusammenschließen, um sie zu tragen. Das ist ehrlicher – und tragfähiger – als ein Anspruch, den man gegen den Willen anderer einklagt und der ohnehin nur so weit reicht, wie jemand gezwungen wird, ihn zu erfüllen.

Mythos 24: Die Mietpreisbremse hilft den Mietern

These: Ein Preisdeckel erzeugt Knappheit – hier ist sich die Ökonomie ausnahmsweise weitgehend einig.

Wird der Preis einer Ware künstlich unter den Marktpreis gedrückt, steigt die nachgefragte Menge und sinkt das Angebot. Bei Wohnungen heißt das: Wer schon drin wohnt, profitiert; wer eine sucht, findet immer schwerer etwas. Vermieter halten Wohnungen zurück, wandeln in Eigentum um oder investieren weniger in den Bestand – die Substanz verfällt.

Ausnahmsweise fast Konsens

Bei vielen Streitpunkten dieser Serie ist die Empirie umkämpft. Bei Mietpreiskontrollen sind sich die Fachleute ungewöhnlich einig: In Umfragen lehnt eine große Mehrheit der Ökonomen sie ab, weil sie Angebot und Qualität langfristig verschlechtern. Kurzfristig entlasten sie einzelne Mieter – langfristig verschärfen sie die Knappheit, die sie bekämpfen sollen.

Die eigentliche Ursache steigender Preise liegt woanders – teils bei knappem Bauland, langwierigen Genehmigungen und hohen Bauauflagen, vor allem aber beim Geld. Weil weiches Fiat-Geld beständig an Wert verliert, fliehen Sparer in Sachwerte, und die Immobilie wird vom Wohnraum zum Wertspeicher umfunktioniert. Wer sein Erspartes vor der Entwertung retten will, kauft „Betongold“ – oft als reines Investment, das leer steht oder nur als Spekulationsobjekt gehalten wird. Dieser Anlagedruck treibt die Preise, und gegen ihn ist ein Mietdeckel vollkommen machtlos.

Hartes Geld dreht das um: Wenn Ersparnisse ihren Wert von selbst halten – wie bei Bitcoin, das sich nicht beliebig vermehren lässt –, muss niemand mehr ins Betongold flüchten. Häuser konkurrieren dann wieder als Wohnraum statt als Fluchtwährung. Die nachhaltigste „Mietpreisbremse“ ist deshalb kein Gesetz, sondern ein Geld, das nicht ständig entwertet wird und die Immobilie wieder zu dem macht, was sie sein sollte: ein Ort zum Leben.

Mythos 25: Sozialabgaben sind meine Vorsorge fürs Alter

These: Die gesetzliche Rente ist kein Sparbuch, sondern ein Umlagesystem.

Viele stellen sich ihre Rentenbeiträge wie ein persönliches Konto vor, das sich über die Jahre füllt. Tatsächlich funktioniert die gesetzliche Rente in Deutschland als Umlageverfahren: Die Beiträge der Erwerbstätigen von heute zahlen unmittelbar die Renten der Ruheständler von heute. Es liegt nichts angespart – es wird durchgereicht.

Das ist kein Skandal, aber ein Faktum mit Folgen: Ein Umlagesystem hängt am Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern. Wenn – wie in Deutschland – immer weniger Junge für immer mehr Alte aufkommen, gerät es demografisch unter Druck. Wer das weiß, versteht, warum private, selbstbestimmte Vorsorge kein Luxus ist, sondern eine vernünftige Ergänzung. Genau deshalb denken viele über knappe, nicht beliebig vermehrbare Wertspeicher nach – ein Gedanke, der zu Bitcoin im Ruhestand führt.

Fazit

„Daseinsvorsorge“ klingt nach einem Bereich, der jenseits von Ökonomie steht – nach purer Notwendigkeit. Doch auch hier gelten dieselben Gesetze von Anreizen, Knappheit und Signalen. Die ehrliche Frage ist nie „ob“, sondern „wie“ und „von wem“ – und wer am Ende die Rechnung trägt.

In Teil 6, dem Finale, wird es besonders kontrovers: Medien, Rundfunkbeitrag, Klimapolitik, Internetregulierung und der Satz „Demokratie verhindert Kriege“.

Selbst vorsorgen statt vertrauen

Wenn das Umlagesystem wackelt, wird eigenverantwortliches Sparen wichtiger. Wir zeigen dir einen ehrlichen Weg – persönlich in München oder online.

Tags:Fiat-MythenSozialstaatMarktwirtschaft
Michael Wolf
Michael Wolf

Berater für Informationssicherheit · Bitcoinlighthouse

Seit 2021 helfe ich Menschen dabei, sich durch Open-Source-Lösungen wie Bitcoin, Linux und GrapheneOS unabhängiger zu machen und digitale Sicherheit sowie Souveränität zu erlangen.

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