Ist Proton Meet sicher? Schweizer Verschlüsselung, aber US-Infrastruktur
Michael WolfIst Proton Meet sicher?

Der Schweizer Anbieter Proton, bekannt für Proton Mail und Proton VPN, hat mit Proton Meet einen neuen Videokonferenzdienst gestartet. Er soll Schutz vor amerikanischen Behörden bieten und vertrauliche Gespräche sichern – dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und europäischem Datenschutz.
Proton bewirbt den Dienst als sichere Alternative zu Google Meet, Microsoft Teams oder Zoom. Gründer Andy Yen schreibt:
„Proton Meet schützt deine sensiblen Gespräche – von Geschäftsentscheidungen bis zu privaten Unterhaltungen – vor unbefugtem Zugriff, selbst durch US-Behörden."
US-Infrastruktur trotz Schweizer Werbeversprechen
Tatsächlich nutzt Proton Meet teilweise amerikanische Infrastruktur. Der Dienst setzt auf LiveKit Cloud, ein US-Unternehmen, das Videokonferenzen bereitstellt. LiveKit verwendet Rechenzentren von DigitalOcean, Google und Oracle in den USA. Dadurch können US-Behörden theoretisch auf bestimmte Daten zugreifen, auch wenn die Inhalte Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind.
Proton betont, dass LiveKit keinen Zugriff auf die eigentlichen Inhalte hat, nur verschlüsselte Daten überträgt. Sicherheitsexperte Sam Bent weist jedoch darauf hin, dass Metadaten wie IP-Adressen oder Verbindungszeitpunkte weiterhin auf US-Servern liegen – und damit dem US CLOUD Act unterliegen können.
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat Grenzen
Die Verschlüsselung schützt Inhalte wie Audio, Video oder Chat, jedoch nicht die Transportebene über die US-Server. Funktionen wie „Pinned Region“ können die Daten theoretisch innerhalb der EU halten, ob Proton dies aktiv nutzt, ist unklar. Auch Telemetrie-Daten laufen weiterhin über US-Anbieter.
Fazit: Schutz versus Realität
Proton Meet bietet technisch echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und schützt Nutzer vor anderen Teilnehmern. Der Werbeversuch, vor US-Behörden zu schützen, steht jedoch im Spannungsverhältnis zur Nutzung US-amerikanischer Infrastruktur. Die Verschlüsselung greift, der geografische Standort der Daten bleibt jedoch problematisch für alle, die amerikanischer Überwachung entgehen wollen.




