Ein googlefreies Smartphone als Symbol für ein offenes Android

Keep Android Open: Was hinter der Kampagne gegen Google steckt

Michael WolfMichael Wolf·

Android war jahrelang das Gegenmodell zum iPhone: ein offenes System, auf dem du installieren durftest, was du wolltest – aus jedem Store, aus jeder Quelle. Genau diese Offenheit will Google jetzt kassieren. Unter keepandroidopen.org hat sich deshalb Widerstand formiert. In diesem Artikel schauen wir uns an, was die Kampagne fordert, wer dahintersteht und warum das mehr ist als ein Streit unter Entwicklern.

Was Google vorhat

Im August 2025 kündigte Google die sogenannte Developer Verification an. Ab 2026 – vollständig bis 2027 – soll sich jeder App-Entwickler zentral bei Google registrieren, bevor seine App überhaupt installiert werden darf. Nicht nur im Play Store, sondern auf jedem Weg: auch über alternative App-Stores und auch als heruntergeladene APK-Datei.

Für die Registrierung verlangt Google:

  • einen amtlichen Ausweis,
  • den Nachweis des privaten Signaturschlüssels,
  • eine vollständige Liste aller App-Kennungen,
  • die Zustimmung zu Googles Bedingungen,
  • und eine Gebühr.

Wer nicht mitmacht, dessen App wird auf Google-zertifizierten Geräten stillschweigend blockiert. Und selbst wer sideloaden will, soll durch neun Schritte, eine 24-Stunden-Wartezeit und zahllose Warnhinweise geschleust werden – so umständlich, dass es für normale Nutzer praktisch nicht mehr in Frage kommt.

Was die Kampagne fordert

„Keep Android Open" verlangt schlicht: Google soll die Verifizierungspflicht fallen lassen. Niemand soll gezwungen werden, sich für die Verteilung eigener Software zentral bei einem Konzern anzumelden und sich auszuweisen.

Die Kampagne wird von Bürgerrechtsorganisationen, Open-Source-Projekten und unabhängigen Entwicklern getragen. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) bringt den Kern auf den Punkt:

Eine identitätsbasierte Zugangskontrolle ist ein Werkzeug der Zensur, kein Sicherheitsfeature.

Das Argument dahinter ist bestechend einfach: Ein echter Angreifer registriert sich notfalls unter falschem Namen oder mit gestohlener Identität. Die Hürde trifft also nicht die Kriminellen, sondern die Ehrlichen – kleine Projekte, Hobby-Entwickler und alle, die Google zu Recht ihren Ausweis nicht geben wollen.

Wer verliert – und warum es alle angeht

Auf den ersten Blick klingt das nach einem Entwicklerproblem. Es ist aber ein Nutzerproblem:

  • Nutzer dürfen künftig nur noch von Google genehmigte Software installieren – auf einem Gerät, das ihnen gehört.
  • F-Droid, der wichtigste quelloffene App-Store, bezeichnet die Änderung als existenzielle Bedrohung. Viele seiner Entwickler bleiben bewusst anonym; sie können und wollen sich nicht bei Google ausweisen.
  • Aktivisten und Journalisten in autoritären Ländern riskieren, über die Pflichtregistrierung identifizierbar zu werden.
  • Entwickler in Ländern ohne Google-Play-Zugang können sich oft gar nicht erst registrieren.

Das Versprechen, das Android von Anfang an ausmachte – ein offenes System – wird nachträglich auf bereits verkauften Geräten zurückgenommen. Und die Macht darüber, welche Software weltweit auf Milliarden Geräten laufen darf, konzentriert sich bei einem einzigen, niemandem rechenschaftspflichtigen Unternehmen.

Die eigentliche Lektion

Es ist ein Muster, das dir bekannt vorkommen dürfte, wenn du dich mit Bitcoin beschäftigst. Ein zentraler Türsteher verspricht „Sicherheit" und liefert Kontrolle. Die entscheidende Frage ist nie „ist der Türsteher gerade nett?", sondern „warum gibt es überhaupt einen Türsteher, der mich aussperren kann?".

Beim Geld haben wir die Antwort schon: erlaubnisfreies Geld, das niemand für dich sperren kann. Bei Software heißt sie: ein Betriebssystem, das dir gehört und dich nicht um Erlaubnis fragt. Mehr dazu in Warum dein Smartphone dir nicht gehört.

Die gute Nachricht: Der Ausweg ist bereits gebaut. Systeme ohne Googles Kontrollschicht – allen voran GrapheneOS – sind von der Verifizierungspflicht nicht betroffen. Warum das so ist und für wen es passt, klären wir ausführlich in Googles Developer Verification: Ist GrapheneOS betroffen?.

Fazit

Keep Android Open ist eine berechtigte und wichtige Kampagne. Öffentlicher Druck kann Google noch bremsen – es hat in der Vergangenheit schon Rückzieher gegeben. Unabhängig vom Ausgang gilt aber: Wer nicht darauf warten will, dass ein Konzern gnädig bleibt, hat heute schon die Wahl. Digitale Selbstbestimmung fängt beim eigenen Gerät an.

Häufige Fragen

Was ist die Kampagne Keep Android Open?

Keep Android Open ist eine von Bürgerrechtsorganisationen, Open-Source-Projekten und Entwicklern getragene Kampagne, die Google auffordert, seine geplante Developer-Verification-Pflicht zurückzunehmen. Ziel ist, dass sich niemand zentral bei Google registrieren und ausweisen muss, um Software auf Android verteilen zu dürfen.

Was genau will Google ändern?

Google will ab 2026 verlangen, dass sich jeder App-Entwickler mit Ausweis, Signaturschlüssel und Gebühr bei Google verifiziert. Apps nicht-registrierter Entwickler lassen sich sonst auf Google-zertifizierten Geräten nicht mehr installieren – auch nicht über alternative Stores oder als APK.

Warum ist das ein Problem, wenn es doch um Sicherheit geht?

Weil die Sicherheitsbegründung nicht trägt. Ein Angreifer registriert sich notfalls unter falschem Namen; die Hürde trifft vor allem ehrliche Entwickler, anonyme Open-Source-Projekte und Menschen in autoritären Staaten. Die EFF nennt identitätsbasierte Zugangskontrolle daher ein Zensur-, kein Sicherheitswerkzeug.

Bin ich als normaler Nutzer betroffen?

Ja, wenn du ein Google-zertifiziertes Standardgerät nutzt und Apps außerhalb des Play Stores installieren willst. Nicht betroffen bist du auf einem System ohne Google-Zertifizierung wie GrapheneOS. Details dazu in Googles Developer Verification: Ist GrapheneOS betroffen?.

Was kann ich konkret tun?

Du kannst die Kampagne auf keepandroidopen.org unterstützen und – unabhängig davon – auf ein offenes System umsteigen. Ein Vergleich der Alternativen findet sich in GrapheneOS vs. /e/OS vs. LineageOS, der Einstieg in unserem Installations-Guide.

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Tags:privacysicherheitsmartphonemobile
Michael Wolf
Michael Wolf

Berater für Informationssicherheit · Bitcoinlighthouse

Seit 2021 helfe ich Menschen dabei, sich durch Open-Source-Lösungen wie Bitcoin, Linux und GrapheneOS unabhängiger zu machen und digitale Sicherheit sowie Souveränität zu erlangen.

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