Karl Marx am Schreibtisch mit roter Clownsnase – satirische Illustration zur Kritik an seiner Arbeitswerttheorie

Die Arbeitswerttheorie: Warum Marx' Fundament nicht trägt

Michael WolfMichael Wolf·

Der Vorwurf der Ausbeutung, der Klassenkampf, die Prognose vom notwendigen Zusammenbruch des Kapitalismus: Das gesamte Gebäude von Karl Marx ruht auf einem einzigen ökonomischen Satz. Der Wert einer Ware, so Marx, wird durch die Arbeitszeit bestimmt, die in ihr steckt. Hält dieser Satz, folgt vieles andere. Hält er nicht, verliert der Rest seine Grundlage.

Ich halte ihn für falsch, und zwar nicht aus politischen Gründen. Die Einwände, um die es hier geht, sind älter als jede Ideologiedebatte und stammen von Ökonomen, die Marx auf seinem eigenen Feld gelesen haben: Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig von Mises und, in der Fortführung, Hans-Hermann Hoppe.

Was Marx tatsächlich behauptet

Marx hat die Arbeitswerttheorie nicht erfunden. Er hat sie von Adam Smith und vor allem von David Ricardo übernommen und zugespitzt. Sein Gedankengang im ersten Kapitel des „Kapitals" (1867) läuft in wenigen Schritten ab:

Wenn zwei verschiedene Waren gegeneinander getauscht werden, müssen sie etwas Gemeinsames haben, das gleich groß ist. Dieses Gemeinsame kann nach Marx keine körperliche Eigenschaft sein, denn die Waren unterscheiden sich in allem Körperlichen. Übrig bleibe nur eines: dass sie Produkte menschlicher Arbeit sind. Also ist Arbeit die „Wertsubstanz", und ihr Maß ist die Zeit. Damit niemand mit besonders langsamer Arbeit besonders wertvolle Ware herstellen kann, fügt Marx eine Einschränkung hinzu: Es zählt die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit.

Darauf baut alles Weitere auf. Der Arbeiter verkauft seine Arbeitskraft zu ihrem Wert, also zu dem, was ihre Reproduktion kostet. Er produziert aber mehr Wert, als er kostet. Diese Differenz ist der „Mehrwert", den sich der Kapitalist aneignet. Ausbeutung ist bei Marx damit keine Frage von Anstand oder Verhandlungsmacht, sondern ein rechnerisches Ergebnis. Sie folgt zwingend aus der Werttheorie. Genau deshalb ist die Werttheorie der Punkt, an dem man ansetzen muss.

Jedes Kind ist schlau genug, um Marx zu widerlegen

Du kannst hundert Jahre an einer Skulptur arbeiten: Will sie am Ende keiner haben, ist sie niemandem etwas wert. Und wer in der Wüste einen Diamanten in der Tasche hat, gibt ihn für eine Flasche Wasser her. Derselbe Stein, der gestern ein Vermögen war, ist dort keinen Schluck wert.

Das ist der ganze Kern: Wert ist subjektiv. Einen Doktortitel braucht dafür niemand. Marx hatte einen und kam trotzdem zum gegenteiligen Schluss. Woran genau seine Herleitung scheitert, steht in den folgenden Abschnitten.

Der Fehler steht auf Seite eins

Die entscheidende Kritik hat Böhm-Bawerk 1896 in „Zum Abschluß des Marxschen Systems" formuliert, und sie trifft nicht ein Detail, sondern den Eröffnungsschritt.

Marx behauptet, beim Tausch müsse ein Gleiches vorliegen, und dieses Gleiche könne nur Arbeit sein, weil alle anderen Eigenschaften wegabstrahiert werden könnten. Beides ist angreifbar.

Erstens ist Arbeit keineswegs die einzige Eigenschaft, die alle getauschten Güter teilen. Sie sind ebenso alle knapp. Sie sind alle Gegenstand von Angebot und Nachfrage. Sie sind alle irgendjemandem nützlich. Marx' Abstraktion entfernt diese Kandidaten nicht durch Argument, sie übergeht sie. Er streicht in einem Zug alles Konkrete und erklärt danach, was übrig geblieben sei. Übrig geblieben ist, was er hat stehen lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass sein Verfahren an Gütern scheitert, die überhaupt keine Arbeit enthalten und dennoch getauscht werden: unerschlossener Boden, alte Meistergemälde, ein seltener Fund.

Zweitens, und das ist der tiefere Punkt: Beim Tausch liegt gar keine Gleichheit vor. Menger hatte das schon 1871 in seinen „Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre" gezeigt. Getauscht wird gerade deshalb, weil beide Seiten die Güter ungleich bewerten. Ich gebe zehn Euro für ein Buch, weil mir das Buch mehr wert ist als die zehn Euro. Der Händler gibt das Buch her, weil ihm die zehn Euro mehr wert sind als das Buch. Beide gewinnen, weil beide unterschiedlich bewerten. Nähme man Marx' Prämisse ernst, dass im Tausch Gleiches gegen Gleiches geht, wäre jeder Tausch für beide Seiten sinnlos und niemand hätte je einen Grund, einen abzuschließen.

Das Wasser-Diamanten-Problem

Adam Smith hatte es aufgeworfen und nicht gelöst: Wasser ist lebensnotwendig und billig, Diamanten sind entbehrlich und teuer. Menger löste es 1871 mit dem Grenznutzen. Bewertet wird nie „Wasser" als Gattung, sondern immer die nächste verfügbare Einheit in einer konkreten Lage. In der Wüste steht der eine Liter über dem Diamanten. Am Wasserhahn ist es umgekehrt. Wert ist keine Eigenschaft, die in einem Ding steckt, sondern eine Rangordnung, die ein handelnder Mensch aufstellt.

Wert läuft rückwärts

Aus dem Grenznutzenprinzip folgt eine Umkehrung, die den Kern der Sache trifft. Wenn Güter danach bewertet werden, welchen Zweck sie einem Menschen erfüllen, dann bekommen auch die Produktionsmittel ihren Wert von dieser Seite her: Arbeit, Maschinen und Rohstoffe sind so viel wert, wie das Produkt wert ist, das mit ihnen entsteht. Menger und später Friedrich von Wieser nannten das Zurechnung. Der Wert läuft vom Konsumenten rückwärts durch die Produktionskette, nicht von der Arbeit vorwärts ins Produkt.

Das ist überprüfbar. Wer ein Jahr lang mit großer Mühe eine Software baut, die niemand haben will, hat kein wertvolles Gut mit unerkanntem Wert geschaffen. Er hat ein wertloses geschaffen und seine Zeit dabei verloren. Umgekehrt entstehen in wenigen Stunden Dinge, für die Menschen viel zahlen. Marx' Theorie muss solche Fälle als Abweichung behandeln. Die subjektive Werttheorie erklärt sie als Normalfall.

Marx hat die Schwierigkeit gespürt, und sein Rettungsversuch verrät das Problem. Die Einschränkung „gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit" soll verhindern, dass Trödelei Wert erzeugt. Aber woher weiß man, welche Arbeitszeit gesellschaftlich notwendig ist und welche nicht? Nur aus dem Markt, also aus Preisen, also aus dem, was Menschen tatsächlich zu zahlen bereit sind. Die Werttheorie, die Preise erklären soll, braucht Preise, um überhaupt bestimmt werden zu können. Dasselbe gilt für das Reduktionsproblem: Marx muss qualifizierte Arbeit in ein Vielfaches einfacher Arbeit umrechnen, und den Umrechnungsfaktor liefert wieder nur der Markt. Ein Zirkel, zweimal.

Das Transformationsproblem

Ein weiterer Bruch zeigt sich innerhalb des Systems selbst. Wären Preise proportional zur enthaltenen Arbeit, müssten arbeitsintensive Branchen dauerhaft höhere Profitraten aufweisen als kapitalintensive. Beobachtet wird das nicht; im Wettbewerb gleichen sich die Profitraten tendenziell an. Marx wusste das und kündigte im ersten Band eine Lösung an. Sie erschien 1894 im dritten Band, den Friedrich Engels nach Marx' Tod aus dem Nachlass zusammenstellte.

Diese Lösung, die „Transformation" von Werten in Produktionspreise, hat der Prüfung nicht standgehalten. Ladislaus von Bortkiewicz zeigte 1906/07, dass Marx' Rechnung inkonsistent ist: Er transformiert die Verkaufspreise der Produkte, lässt die Einsatzgüter aber weiterhin zu Arbeitswerten bewertet stehen. Rechnet man beides konsistent durch, gelten die beiden Gleichungen, die Marx retten wollte (Summe der Werte gleich Summe der Preise, Summe der Mehrwerte gleich Summe der Profite), im Allgemeinen nicht mehr gleichzeitig.

Später hat Ian Steedman in „Marx after Sraffa" (1977) mit Marx' eigenem Instrumentarium nachgelegt: Profite und Preise lassen sich direkt aus den technischen Produktionsbedingungen und dem Reallohn bestimmen. Die Größe „Arbeitswert" wird dabei nicht gebraucht. Paul Samuelson hatte das 1971 so beschrieben, dass man die Arbeitswerte hinschreibt, dann durchstreicht und durch die Preise ersetzt. Für eine Theorie ist das ein hartes Urteil: Sie ist nicht nur unbestätigt, sie ist im eigenen Modell überflüssig.

Was der Kapitalist tatsächlich tut

Bleibt die moralisch aufgeladene Frage: Wenn der Unternehmergewinn kein abgeschöpfter Mehrwert ist, was ist er dann?

Böhm-Bawerk hat darauf 1889 in der „Positiven Theorie des Kapitales" geantwortet. Menschen bewerten gegenwärtige Güter höher als künftige. Wer heute produziert, verkauft aber erst später. Löhne, Material und Miete fallen an, bevor der erste Euro Umsatz hereinkommt. Der Unternehmer kauft dem Arbeiter also, wirtschaftlich betrachtet, dessen künftigen Ertrag in Form gegenwärtigen Geldes ab. Der Aufschlag zwischen beidem ist der Preis der Zeit, nicht die Beute aus einer Aneignung. Wer diesen Zusammenhang praktisch nachvollziehen will, findet ihn in unserem Beitrag über Zeitpräferenz ausführlicher.

Mises hat einen zweiten Faktor ergänzt, den Marx systematisch ausblendet: Ungewissheit. Ob das Produkt am Ende jemand kaufen will, weiß niemand vorher. Der Lohn ist vertraglich zugesagt, der Erlös nicht. Der Unternehmer trägt damit ein Risiko, das der Arbeiter gerade nicht trägt, und genau darin liegt der Tausch, den beide Seiten freiwillig eingehen. Fällt die Rechnung falsch aus, gibt es keinen Mehrwert, sondern Verlust. Eine Theorie, die den Gewinn zwingend aus der Arbeitszeit ableitet, hat für den Regelfall des Scheiterns keine Erklärung.

Mises' zweiter Schlag: die Kalkulation

Der schwerwiegendste Einwand betrifft nicht die Diagnose, sondern die Alternative. In „Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen" (1920) zeigte Mises, dass eine Gesellschaft ohne Privateigentum an Produktionsmitteln keine Preise für diese Produktionsmittel hervorbringen kann, weil es keine Tauschakte gibt, aus denen Preise entstünden. Ohne solche Preise fehlt der gemeinsame Maßstab, an dem sich zwei Produktionsverfahren vergleichen lassen. Sollen die Schienen aus Stahl oder aus Aluminium sein? Ohne Preise ist die Frage nicht rechnerisch beantwortbar, sondern nur schätzbar. Planung wird dann zum Tasten im Dunkeln. Die Grundlagen dazu haben wir in Grundlagen der Wirtschaftsrechnung beschrieben.

Bemerkenswert ist, dass Marx zu dieser Frage kaum etwas beigetragen hat. Im Nachwort zur zweiten Auflage des „Kapitals" (1873) wies er die Zumutung zurück, „Rezepte für die Garküche der Zukunft" zu schreiben. Für einen Denker, dessen Analyse eine Umwälzung der Eigentumsordnung begründen sollte, ist das eine erstaunliche Lücke: eine ausführliche Kritik des bestehenden Koordinationsmechanismus, verbunden mit dem ausdrücklichen Verzicht darauf, den ersetzenden zu beschreiben.

Hoppe: die richtige Frage, die falsche Klasse

Hans-Hermann Hoppe geht einen Schritt weiter als die reine Widerlegung, und dieser Schritt ist der interessanteste des ganzen Streits. In „A Theory of Socialism and Capitalism" (1989) und in „Marxist and Austrian Class Analysis" (1990) hält er fest, dass Marx' soziologisches Grundgerüst in wesentlichen Zügen brauchbar ist. Es gibt Klassen. Es gibt eine herrschende Schicht, die auf Kosten anderer lebt. Es gibt Ideologien, die dieses Verhältnis rechtfertigen. Und es gibt eine Geschichte, die von diesem Konflikt geprägt ist.

Falsch bestimmt ist nach Hoppe, wer diese Klassen sind. Ausbeutung liegt dort vor, wo jemand über die Person oder das Eigentum eines anderen ohne dessen Zustimmung verfügt, also bei einseitiger, nicht vertraglicher Aneignung. Der Arbeitsvertrag erfüllt dieses Kriterium nicht: Er kommt zustande, weil beide Seiten sich davon eine Verbesserung versprechen, und er kann von beiden Seiten beendet werden. Wo dagegen Abgaben erzwungen werden, wo Geldmenge zulasten der späteren Empfänger ausgeweitet wird, wo Privilegien und Marktzutrittsschranken per Gesetz verteilt werden, ist das Kriterium erfüllt.

Damit dreht Hoppe die Analyse um, ohne ihren Anspruch aufzugeben. Der Gegensatz verläuft entlang der Frage, wer sich vertraglich versorgt und wer per Zwang. Marx hat den Konflikt an einer Stelle gesucht, an der er nicht liegt, und ihn dort übersehen, wo er sich am deutlichsten zeigt. Mehr zu Hoppes Denken steht in unserem Porträt, zur Schule insgesamt in Was ist die Österreichische Schule.

Vier Einwände

„Marx meinte doch die gesellschaftlich notwendige Arbeit, das löst die Sache." Es verschiebt sie. Was notwendig ist, entscheidet sich daran, was Käufer honorieren. Damit steckt die subjektive Bewertung bereits in der Definition, die sie ersetzen sollte.

„Die Neoricardianer haben die Theorie repariert." Sie haben gezeigt, dass sich Preise und Profite ohne Rückgriff auf Arbeitswerte bestimmen lassen. Das rettet die Ökonomie der Marxisten allenfalls um den Preis dessen, was sie belegen wollte.

„Ausbeutung gibt es aber doch." Ja, und man muss sie nicht wegdiskutieren, um Marx zu widersprechen. Die Frage ist, woran man sie erkennt. Hoppes Kriterium (Zwang statt Vertrag) benennt reale Fälle präziser als eine Rechengröße, die aus einer nicht haltbaren Werttheorie stammt.

„Als Historiker und Soziologe war Marx trotzdem bedeutend." Das lässt sich vertreten, und Hoppe vertritt es selbst. Historische Beobachtungsgabe ersetzt aber keine tragfähige Werttheorie. Der ökonomische Kern seines Werks war schon widerlegt, während er ihn ausarbeitete: Mengers „Grundsätze" und William Stanley Jevons' „Theory of Political Economy" erschienen 1871, Léon Walras' „Éléments" 1874. Der zweite und dritte Band des „Kapitals" kamen 1885 und 1894 heraus, die Grenznutzenlehre war da längst publiziert.

Warum das heute noch zählt

Man könnte all das für Wissenschaftsgeschichte halten. Ist es nicht. Das objektive Wertdenken lebt in Alltagsargumenten weiter, oft bei Menschen, die Marx nie gelesen haben.

Es steckt in der Vorstellung, ein Preis könne „ungerecht" sein, weil er nicht dem entspricht, was in der Sache steckt. Es steckt im Vorwurf, ein Zwischenhändler leiste nichts, obwohl er Güter dorthin bringt, wo sie höher bewertet werden. Und es steckt in dem Satz, der bei Bitcoin am häufigsten fällt: Es habe „keinen inneren Wert".

Diesen inneren Wert hat kein Gut. Gold hat ihn nicht, ein Haus hat ihn nicht, ein Euro hat ihn nicht. Bewertet wird immer von jemandem, für einen Zweck, in einer Lage. Bitcoin macht diesen Zusammenhang nur ungewöhnlich sichtbar, weil keine Fabrik und kein Rohstoffgeschäft davor stehen, an die man die Frage delegieren könnte. Was es kann, kann man nachlesen: knapp, teilbar, haltbar, weltweit übertragbar, ohne Erlaubnis nutzbar. Ob das etwas wert ist, entscheidet jeder Einzelne.

Der Mining-Aufwand ändert daran nichts, und hier zeigt sich Mengers Umkehrung im laufenden Betrieb: Der Preis eines Bitcoins folgt nicht den aufgewendeten Kilowattstunden. Umgekehrt bestimmt der Preis, wie viel Energieeinsatz sich lohnt, und die Schwierigkeitsanpassung regelt den Rest. Wer glaubt, Produktionskosten erzeugten Wert, hat hier ein Gegenbeispiel im Zwei-Wochen-Takt. Mehr dazu in Was ist Geld eigentlich? und in den Grundlagen der Grenznutzenlehre.

Fazit

Marx hat eine Werttheorie übernommen, deren Widerlegung zu seinen Lebzeiten publiziert wurde, hat ihren zentralen Ableitungsschritt nicht begründet, sondern gesetzt, hat den offenkundigen Widerspruch zur beobachtbaren Profitratenangleichung auf einen Band vertagt, der die Lösung nicht brachte, und hat auf die Frage, wie eine Gesellschaft ohne Marktpreise wirtschaften soll, keine Antwort gegeben. Als politisches Programm hat sein Werk enorme Wirkung entfaltet. Als ökonomische Theorie halte ich es für gescheitert, und zwar an Maßstäben, die man nicht von außen anlegen muss: an seinen eigenen.

Die Alternative ist unspektakulär und trägt seit über 150 Jahren. Wert ist kein Stoff in den Dingen. Er ist ein Urteil von Menschen über Mittel und Zwecke. Wer das ernst nimmt, sieht den Tausch als das, was er ist: die Begegnung zweier unterschiedlicher Bewertungen, aus der beide Seiten besser hervorgehen, als sie hineingegangen sind.

Ökonomie verstehen, statt Parolen zu wiederholen

Wer versteht, wie Wert entsteht, versteht auch, warum Geld funktioniert oder scheitert. Wir gehen diese Grundlagen mit dir durch – persönlich in München oder online.

Häufige Fragen

Was besagt die Arbeitswerttheorie von Karl Marx?

Sie besagt, dass der Wert einer Ware durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt wird, die zu ihrer Herstellung nötig ist. Daraus leitet Marx den „Mehrwert" ab: Der Arbeiter erzeuge mehr Wert, als sein Lohn ausmacht, und die Differenz eigne sich der Kapitalist an. Ausbeutung ist bei Marx damit ein rechnerisches Ergebnis der Werttheorie, keine moralische Beobachtung.

Was bedeutet subjektive Werttheorie?

Dass Wert keine Eigenschaft von Dingen ist, sondern eine Rangordnung, die handelnde Menschen aufstellen. Carl Menger zeigte 1871, dass immer die nächste verfügbare Einheit eines Gutes in einer konkreten Lage bewertet wird, nicht das Gut als Gattung. Deshalb kann derselbe Liter Wasser in der Wüste über einem Diamanten stehen und am Wasserhahn darunter.

Warum gilt die Arbeitswerttheorie als widerlegt?

Drei Gründe wiegen am schwersten: Sie kann Güter ohne Arbeitsinhalt und Fehlproduktionen nicht erklären. Ihre Zusatzbedingung „gesellschaftlich notwendig" setzt Marktpreise voraus, die sie erklären soll, und ist damit zirkulär. Und die Umrechnung von Arbeitswerten in beobachtbare Preise (das Transformationsproblem) ist seit Bortkiewicz 1906/07 als inkonsistent nachgewiesen.

Ist Unternehmergewinn dann nicht doch abgeschöpfte Arbeit?

Nach Böhm-Bawerk und Mises ist er der Preis für zwei Leistungen, die der Arbeiter nicht erbringt: Vorfinanzierung und Risikoübernahme. Löhne fließen, bevor Umsatz existiert, und ob der Umsatz überhaupt kommt, weiß niemand vorher. Bleibt die Nachfrage aus, gibt es keinen Mehrwert, sondern Verlust. Eine Theorie, die Gewinn zwingend aus Arbeitszeit ableitet, erklärt genau diesen Regelfall nicht.

Was hat das mit Bitcoin zu tun?

Der häufigste Einwand gegen Bitcoin, es habe „keinen inneren Wert", ist objektives Wertdenken in Reinform. Einen inneren Wert hat kein Gut. Sichtbar wird das beim Mining: Der Preis folgt nicht den aufgewendeten Energiekosten, sondern die Energiekosten folgen dem Preis, weil sich der Aufwand nur bis zu einer bestimmten Grenze lohnt und die Schwierigkeitsanpassung nachregelt.


Die Argumente folgen Carl Menger („Grundsätze der Volkswirtschaftslehre", 1871), Eugen von Böhm-Bawerk („Zum Abschluß des Marxschen Systems", 1896, und „Positive Theorie des Kapitales", 1889), Ludwig von Mises („Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen", 1920) sowie Hans-Hermann Hoppe („A Theory of Socialism and Capitalism", 1989, und „Marxist and Austrian Class Analysis", Journal of Libertarian Studies, 1990). Zum Transformationsproblem: Ladislaus von Bortkiewicz (1906/07), Paul Samuelson (Journal of Economic Literature, 1971) und Ian Steedman („Marx after Sraffa", 1977). Marx wird zitiert nach „Das Kapital", Band I (1867), Nachwort zur zweiten Auflage (1873), und Band III (1894).

Tags:Karl Marxaustrian economicsSubjektive Werttheorie
Michael Wolf
Michael Wolf

Berater für Informationssicherheit · Bitcoinlighthouse

Seit 2021 helfe ich Menschen dabei, sich durch Open-Source-Lösungen wie Bitcoin, Linux und GrapheneOS unabhängiger zu machen und digitale Sicherheit sowie Souveränität zu erlangen.

Verwandte Beiträge