bitcoin 51prozent attacke

51% Attacke?

Michael WolfMichael Wolf·

Laut Ernst Wolff besitzen 50 Akteure unter den Minern mehr als die Hälfte der Rechenkapazität. Die USA hat 50 Bundesstaaten, die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich alle einig werden würden ist verschwindend gering. Ähnliches ist auch bei den 50 größten Bitcoin Mining-Akteuren zu befürchten. Wie das Netzwerk durch Proof of Work und den Nakamoto-Konsensus abgesichert wird, erklären wir gesondert.

Doch nehmen wir mal kurz für ein Gedankenexperiment an, dass sich diese 50 Mining-Akteure zusammenschließen würden, um das Bitcoin-Netzwerk zu kompromittieren. Das Ergebnis wäre ein Oxymoron, eine Abspaltung eines „Elitecoins“ der nach kurzer Zeit vom Markt verschwinden würde, während der nicht korrupte Teil des Mining-Netzwerks weiter bei Bitcoin bleiben würde. Somit würden diese 50 Elite-Miner aus dem Netzwerk fliegen und die Milliarden von Geldern die sie in die Rechenleistung stecken mussten, wären weg.

Der Bitcoin wäre dadurch sogar am Ende noch dezentraler, da die großen Akteure aus dem Netzwerk verbannt wären. Vielleicht würde es einen kurzfristigen Kursrückgang auf Grund von Panikverkäufen geben. Aber dies dürfte auf lange Sicht keine Rolle spielen.

Was wäre bei einer 51%-Attacke überhaupt möglich?

Ein Angreifer mit über 50 % der Rechenleistung könnte theoretisch Transaktionen in der jüngeren Vergangenheit rückgängig machen (Double-Spend) und eigene Blöcke bevorzugen. Was er nicht könnte: neue Bitcoin aus dem Nichts erschaffen, fremde Wallets leeren oder die Grundregeln des Protokolls ändern. Die maximale Menge von 21 Millionen Bitcoin und alle anderen Kernregeln sind durch den Nakamoto-Konsensus geschützt und können durch Hashrate-Mehrheiten nicht außer Kraft gesetzt werden.

Hinzu kommt die schiere Größe des Bitcoin-Netzwerks: Die globale Hashrate liegt heute im Exahash-Bereich. Selbst staatliche Akteure müssten astronomische Mengen an Hardware und Energie aufwenden – und würden im Erfolgsfall ihre eigene Milliarden-Investition entwerten, weil das Vertrauen in Bitcoin sofort einbrechen würde. Der Anreiz für eine Attacke ist damit ökonomisch schlicht nicht vorhanden. Mehr dazu, wie Proof of Work das Netzwerk absichert, erklären wir gesondert.

Historische 51%-Attacken – aber nicht bei Bitcoin

51%-Attacken sind keine graue Theorie: Bei kleinen Proof-of-Work-Coins wurden sie bereits mehrfach erfolgreich durchgeführt. Ethereum Classic (ETC) wurde 2019 dreimal in kurzer Folge angegriffen; die Angreifer buchten doppelt ausgegebene Coins im Wert von mehreren Millionen Dollar zurück. Bitcoin Gold (BTG) erlitt 2018 und 2020 ähnliche Angriffe. Der entscheidende Unterschied zu Bitcoin: Diese Netzwerke verfügen über eine verschwindend geringe Hashrate – und Angreifer können fehlende Rechenleistung einfach günstig mieten, ohne eigene Hardware kaufen zu müssen.

Bei Bitcoin ist das schlicht unmöglich. Die gesamte Hashrate des Bitcoin-Netzwerks übersteigt die aller anderen Proof-of-Work-Netzwerke zusammen um ein Vielfaches. Es gibt weltweit keine Mietkapazität, die auch nur annähernd ausreichen würde. Dazu kommt: Bitcoin-Mining-Hardware (ASICs) ist hochspezialisiert und außerhalb des Bitcoin-Netzwerks wertlos. Ein Angreifer müsste also Milliarden in Hardware investieren, die danach nur für Bitcoin-Mining genutzt werden kann – und genau damit das Netzwerk stützen, das er angreifen will. Das ist das eleganteste Sicherheitsmodell der Informatikgeschichte.

Michael Wolf
Michael Wolf

Berater für Informationssicherheit · Bitcoinlighthouse

Seit 2021 helfe ich Menschen dabei, sich durch Open-Source-Lösungen wie Bitcoin, Linux und GrapheneOS unabhängiger zu machen und digitale Sicherheit sowie Souveränität zu erlangen.

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